Museum x.0 : Digitale Zukunft oder Brennholzverleih?

Archive und Bibliotheken gibt es seit Tausenden von Jahren, Museen sind dagegen eine relativ junge historische Erscheinung. Während selbstverständlich vom „digitalen Archiv“ und der „digitalen Bibliothek“ die Rede ist, klingt ein „digitales Museum“ fremdartig. Kann der eineiige digitale Zwilling eines Museumsobjekts so gut wie ununterscheidbar von seinem analogen Zwilling sein?

Mit fotografischen Abbildungen von Museumsobjekten begann eine Entwicklung, die mit ihren Fragestellungen zum Verhältnis zwischen Original und Abbild bis heute nicht abgeschlossen ist. Digitale Kopien sind – im Gegensatz zu ihren analogen Vorfahren – potentiell unbegrenzt herstellbar und können voneinander nicht unterschieden werden. Die Vermittlung von Wissen über das Original kann von den digitalen Zwillingen in zunehmendem Maße übernommen werden, was im Kontext des kulturellen Erbes Zweifel über die höhere Wertschätzung des Originals aufkommen läßt. Auch die Verfügungs- und Deutungshoheit sind mit dem kopierbaren digitalen Zwilling entscheidenden Veränderungen ausgesetzt.

Informationen über Museumsobjekte beruhen auf Daten, die durch die Erforschung der Originale gewonnen werden. Doch nur für die intrinsischen Daten, die direkt am Original gewonnen werden, ist dieses unverzichtbar. In der Archäologie werden keramische Objekte aussortiert, von denen keine neuen Erkenntnisse mehr erwartet werden. Ist dies auch für Museumsobjekte vorstellbar, bei denen der digitale Zwilling alle gewinnbaren Informationen umfaßt? Sind digitale Eingeborene denkbar, die keine „Aura des Originals“ mehr wahrnehmen, sondern eher das Vervielfältigungs- und Modellierungspotential der digitalen Kopie wertschätzen? Das immaterielle Kulturerbe wird bereits auf diese Weise bewahrt, denn beispielsweise das Erleben einer Beethoven-Sinfonie ist weitgehend unabhängig von der Existenz eines originalen Autographs.

Der Stand der Kulturgutdigitalisierung in Deutschland ist jüngst kritisch eingeschätzt worden. Daraus ergeben sich Fragen nach der Strategie und dem Fortgang der Digitalisierung, ob sie zu einem „Museum neuen Typs“ führen kann und welche Rolle dabei die digitalen Zwillinge spielen.

Archives and libraries have existed for thousands of years, but museums are a more recent historical phenomenon. While the terms "digital archive" and "digital library" are naturally used, a "digital museum" sounds strange. Can the identical digital twin of a museum object be practically indistinguishable from its analog twin?

A process was started with photographs of museum objects that has not yet been completed with its questions about the relationship between the original and the image. In contrast to their analog predecessors, digital copies can potentially be produced to an unlimited extent and cannot be distinguished from each other. The digital twins are becoming increasingly capable of providing knowledge about the original, which in the context of cultural heritage causes doubts about the higher appreciation of the original. The digital twin, which can be copied, also exposes the power of disposal and authority of interpretation to important changes.

Information about museum objects is based on data obtained by researching the originals. However, this is only essential for the intrinsic data obtained directly from the original. In archaeology, ceramic objects are sorted out which are not expected to provide additional information. Is this also imaginable in the case of museum objects when the digital twin contains all the information that can be obtained? Are digital natives thinkable who no longer sense the "aura of the original" but rather appreciate the reproduction and modeling potential of the digital copy? The intangible cultural heritage is already preserved in this way, for example, the experience of a Beethoven symphony is essentially unrelated to the existence of an original autograph.

The level of digitization of cultural assets in Germany has recently been critically evaluated. This is leading to questions about the strategy and continuation of digitization, whether it can lead to a "new type of museum" and about the role that the digital twins play in this.

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